Auf dem Weg zur gespaltenen Gesellschaft?
25.01.12Dr. Franz Saladin, amtierender Direktor der Handelskammer beider Basel regte die SPECTRUM-Mitglieder am 25. Januar in der Schlüsselzunft zum Nachdenken und Diskutieren über ein komplexes Thema an.
Es sind düstere Szenarien, die Franz Saladin zu Beginn skizziert: Krawalle, Unruhen, eskalierende Gewalt, Hilflosigkeit bei den Sicherheitskräften – Szenen aus London jüngsten Datums. Die selbst gestellte Frage, ob dies auch ein für Basel denkbares Ereignis werden könne, verneint Saladin zwar, doch appelliert er an die Einsicht und Sensibilität von Wirtschaftskräften, Entscheidungsträgern und verantwortungsvollen Bürgern. In der Schweiz können wir uns (noch) einer tiefen Arbeitslosigkeit und hoher Sozial- und Wohlstands-Standards erfreuen, welche zugleich auch die Grundlage für Stabilität bilden. Dennoch dürfen wir uns nicht darauf ausruhen und in aktuellen Zeiten internationaler und vor allem europäischer Instabilität nicht darauf vertrauen, dass wir uns in Sicherheit wiegen können. Überrissene Boni, unverhältnismässige Salärmodelle können provozieren, so gut sie auch aus wirtschaftlicher Sicht argumentiert werden können. Solange die Wirtschaft und Unternehmer jedoch bereit sind, über Steuern und sozialwirtschaftliche Beiträge und Abgaben sowie durch individuelle Engagements die allgemeine Bevölkerung an ihrem Erfolg teilhaben zu lassen, werden wir in Basel und in der Schweiz die soziale Stabilität weitgehend halten, sofern wir über Gier und Masslosigkeit nicht die Kluft zwischen Arm und Reich auf unsinnige Weise weiter anwachsen lassen. Saladin legt aber Wert darauf, nicht als «Marxist» missverstanden zu werden, sondern als Wirtschaftsvertreter und -förderer, der zur sozialen Verantwortung aufruft, um uns allen nachhaltige Stabilität sicherzustellen. Und die omnipräsenten Krisen, die oft auch als mental konstruierte Krisen zu relativieren sind, sollen uns nicht davon abhalten oder sogar erst recht dazu motivieren, positiv, mit Elan und Zuversicht uns als Führungskräfte und Unternehmer zu engagieren.
Beim darauffolgenden Apéro sowie im Anschluss daran bei bestem Essen, auffallend zuvorkommendem Service und angeregten Gesprächen wurden diese ernsten Themen dann weiter diskutiert und allmählich auch durch heitere Aspekte abgerundet.
